Der Patient steht im Mittelpunkt

 

Bäckerzeitung 35. 2014
 

Die Gesundheitsreform wird im Bereich der Primärversorgung in den kommenden Jahren einschneidende Neuerungen bringen.

Die gegenwärtige öffentliche Diskussion um den angeblichen Mangel an Ärzten, fehlende Planstellen und der Kostendruck im Gesundheitswesen generell machen das Problem, vor dem die Reform des österreichischen Gesundheitssystem steht, ziemlich deutlich: Die Ärztekammer fordert mehr Planstellen für Kassenärzte, der Berufsverband der Psychotherapeuten fordert mehr Kassenverträge für seine Berufsgruppe, der Berufsverband der Psychologen wünscht sich nach einer Reform der Ausbildung ebenfalls eine Aufnahme in den Leistungskatalog der sozialen Krankenversicherung und damit eine Bezahlung ihrer Leistungen durch die Kassen. Und die Patienten? Die wissen nicht wohin sie zuerst gehen sollen, wer ihr Ansprechpartner ist, wer ihr Problem diagnostiziert und dann entsprechend therapiert.

Noch ein Beispiel gefällig? Eine Patientin verletzt sich an einem Samstag die Schulter, fährt in die Unfallambulanz eines nahegelegenen Spitals und wird dort erstversorgt. Zur Feststellung der genauen Verletzung wird vom behandelnden Arzt eine MRT-Untersuchung empfohlen. Diese soll aber nicht im Spital, sondern im sogenannten niedergelassenen (extramuralen) Bereich erledigt werden: Hausarzt – Bewilligung – Termin beim Radiologen – Untersuchung – Befund einholen. Nach vier Wochen landet die Patientin mit einem diagnostizierten Muskeleinriss wieder dort, wo sie ursprünglich gewesen ist. Nur leider zu spät. Eine aufwändige Operation ist notwendig, Rehabilitation, Krankenstand und so weiter.

Kenner unseres Gesundheitssystems wissen, warum die Patientin vom Spital zum Hausarzt, von dort zum Facharzt, und dann wieder ins Spital hin und hergeschoben wurde. Weil dafür jeweils ein anderer Finanzier (oder Kostenträger, wie das im Fachjargon heißt) zuständig ist. Das jeweilige Land für das Spital, die soziale Krankenversicherung für Haus- und Facharzt. Der Patientin hat das wenig geholfen, und der Volkswirtschaft entstanden wohl höhere Kosten, als dies bei einem schnelleren Eingriff der Fall gewesen wäre.

Wir haben im 28 Mrd. Euro schweren Gesundheitsmarkt in Österreich eine einrichtungsorientierte, aber keine patientenorientierte Versorgung. Die Frage kann daher nicht lauten ‚mehr Planstellen, mehr Betten und mehr Spitäler’, sondern ‚wie und wo können wir die Patienten optimal versorgen.’


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