‚Brot & Wein’ laden ein 

 

Bäckerzeitung 26.2013
 

Bereits mehr als 100.000 Besucher begeisterte die Niederösterreichische Landesausstellung 2013 mit dem Titel ‚Brot & Wein’. Noch bis zum 3. November kann man in Asparn an der Zaya die knusprige Geschichte des Brotes und in Poysdorf die würzig-pfeffrige Geschichte des Rebensaftes im Verlauf der letzten 8.000 Jahre erleben.

Brot als das Grundnahrungsmittel und Wein als das Genussmittel schlechthin stehen im Mittelpunkt der heurigen Niederösterreichischen Landesausstellung. ‚Brot und Wein’ dokumentiert im Urgeschichtemuseum in Asparn an der Zaya und in der Weinstadt Poysdorf zentrale Stationen in der Kulturgeschichte des Menschen – interaktiv, mit modernsten Methoden der Ausstellungsgestaltung zum Schauen, Erkunden und vor allem zum Kosten und Schmecken. Das Konzept geht auf, denn nach weniger als drei Monaten konnten bereits mehr als 100.000 Gäste begrüßt werden. Die 100.000ste Besucherin war Carola Apfler aus Gmunden in Oberösterreich, die gemeinsam mit ihrer Familie zum ersten Mal das Weinviertel besuchte und sich vor allem von der malerischen Landschaft mit ihren weitläufigen Weingärten und Feldern begeistert zeigte.

Bereits vor 8.000 Jahren wurde in der heutigen Region des Weinviertels Brot gebacken, das belegen archäologische Funde. Die Ausstellung startet im Dachgeschoss von Schloss Asparn in der heutigen Zeit in einem virtuellen Supermarkt. Über die Bedienung eines Barcode-Scanners wird deutlich, dass das sogenannte ‚Neuromarketing’ mit den Instinkten der einstigen Jäger und Sammler arbeitet. Als Schnäppchenjäger schießen wir mit Pfeilen auf Sonderangebote. Dann geht es chronologisch weiter.

Die sogenannte ‚Neolithische Revolution’ machte den Menschen sesshaft. Mit dem Anbau von Getreide gelangte das Brot auf den Speiseplan des Menschen. Vom mobilen Leben als Jäger, Sammler und Fischer erfolgte der Übergang zum sesshaften Leben als Bauer. Beleuchtet werden alle Vor- und Nachteile dieser Lebensform. Zwar waren die Menschen nicht mehr abhängig von Schwankungen im natürlichen Angebot der gesammelten und erjagten Nahrung. Dafür verhinderte die Sesshaftigkeit rasche Ortswechsel bei Klimaschwankungen und begünstigte Hungersnöte. Die Nahrungsumstellung führte zu neuen, häufig auftretenden Erkrankungen. Skelettfunde belegen, dass die Körpergröße der Menschen in dieser Phase deutlich abnahm, ebenso die Lebenserwartung. Eine andere Folge der Sesshaftigkeit war die Entstehung von sozialen Schichten, während es bei Jägern und Sammlern nur einen Gruppenführer gab. Man konnte einander aufgrund des Sesshaftwerdens bei Konflikten nicht mehr ausweichen. Zu dieser Zeit scheint der Krieg durch die neolithische Revolution bereits eingeführt worden zu sein.

Ein Ausstellungssaal widmet sich daher auch dem sogenannten ‚Massaker von Schletz’ – heute zur Gemeinde Asparn gehörig – in der Jungsteinzeit, als historischer Ausgangspunkt für bewaffnete Konflikte um die Nahrungsmittelversorgung. Der Bogen spannt sich weiter zu den Kriegen im vergangenen Jahrhundert, in denen Brot und vor allem der Entzug von Brot zum Kampfmittel wurde.



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